Eberbach die Ursache des Degenerativs

So. Sie sitzen also allein in ihrem Auto und bezeichnen Verkehrsplaner in Köln als A*****, D******** und v******* H*******, weil sie in der wahrhaft unintelligenten Brückenführung gefangen sind, die zudem noch durch Bauarbeiten erschwert wird? Sie wüssten gerne, was mit den Leuten schief gelaufen ist, die eine Stadtautobahn sichtbar unter dem Domplatz vorbeiführen. Sie wundern sich, warum Deutschlands grösstes neorassistisches Blog aus Köln kommt? Sie würden in Ihrem Hotel den Pay Porno Kanal anwerfen, würde dort ein SM-Film mit der Folterung Kölner Opelproleten laufen? Seien Sie nicht so hart, die können nichts dafür. Das ist in Köln so. Sie sehen ja, wie die Leute hier aussehen. Und sie kennen den lallenden Singsang ihrer Sprache. Ja, es macht nicht nur den Anschein, dass die hier alle dauerbesoffen sind. Aber um das zu verstehen, muss man nicht lang Kölner aufschneiden, um an die Ursache des Umstandes zu gelangen, weshalb für die Bewohner mit dem Degenerativ ein eigener Fall für die Ansprache eingeführt wurde - wie der Nominativ, kommt aber automatisch zum tragen, wenn man Kölner als Berliner des Westens bezeichnet.

Der Urgrund all dieser Verkommenheit findet sich rund 200 Kilometer rheinabwärts nahe dem Örtchen Eltville im Zisterzienserkloster Eberbach. Am 1136 gegründeten Eberbach ist nichts besonderes, es ist lediglich eine weitere frühe Gründung des auf Entsagung und Prunkverweigerung ausgelegten Ordens von Citeaux: Typischerweise in einem Taleinschnitt am Wasser gelegen, das man für die Fischzucht brauchte, eine lange Mauer in in der Mitte dann das Klostergeviert.

Im 12 Jahrhindert entstanden in Alehnung der verweichlichten Benediktiner überall in Westeuropa diese schlichten Klöster, in denen man schlichte Buchmalerei pflegte, gegen Juden hetzte und ansonsten weitgehend die Schnauze hielt und so nicht argumentieren musste, wieso man mit diesem schlichten Programm der frühstaufischen Zeit so wenig aussergewöhnlichen Kunst hinterliess.

Nun gelten die Kirchen und Gemeinschaftsräume der Zisterzienser gerade wegen ihrer Schlichtheit als herausragendes Beispiel mittelalterlicher Baukunst. Nichts verbirgt die reine Konstruktion, gebaut wurde weniger für die Optik als vielmehr für die reine Statik. Überflüssiger Zierat war den Zisterziensern verhasst, und das hatte Erfolg: In Ebersbach waren zeitweise 150 Mönche und 450 Laienbrüder am Werk.

Damit was Eberbach eines der grössten Klöster des hohen Mittelalters in Deutschland. Der Schwerpunkt der Bestrebungen lag neben Volksverdummung und Verbreitung von Intoleranz im Ackerbau. Den muss man sich so vorstellen: Die Mönche - meist adliger Abkunft - verwalteten als Grossgrundbesitzer, die Laienbrüder verrichteten die mittleren Arbeiten, und die Unfreien machten die Drecksarbeit.

Der Lohn der Arbeit der anderen: Eberbach kann mit einigen Rekorden aufwarten. Der Schlafsaal der Männer ist einer der grössten nichtkirchlichen Innenräume der frühen Gotik, gleiches kann man auch über das Laiendormitorium sagen, auch wenn beide Räume heute in ihrer grossen, leeren Ausstrahlung weitaus mehr Eleganz besitzen, als in der Nutzungszeit, als hier 150 ungewaschene Kerle einen leichten Vorgeschmack auf die Sorte Gemeinschaft gaben, die man heute allenfalls als Turnhallenbehauser auf dem evangelischen Kirchentag in Köln erleben kann.

Natürlich hielten die harschen Vorgaben des Ordensgründers Bernhard von Clairvaux nicht lange, und andere Orden wie Dominikaner und Franziskaner liefen mit ihrer Orientierung auf das aufstrebende Bügertum den Waldbewohnern den Rang ab. Deshalb verlegte man sich lieber komplett auf die Verwaltung des enormen Besitzes. Eberbach hatte Einkünfte aus 200 Orten im Rheintal, und das Geld wurde dazu verwendet, den ganzen Bau im Barock auf Vordermann zu bringen. Die heutigen schlichten Formen sind der Rückbau, und nur im Refrektorium der Mönche kann man erahnen, wie Eberbach unter dem Wappen der Sau im 18. Jahrhundert, kurz vor der Auflösung, ausgesehen hat.

Schlicht und grob war dagegen zu allen Zeiten der Weinkeller. Und damit kommen wir zu Köln. Denn der Weinkeller war das eigentliche Geschäft von Eberbach, der Wein wurde hier im grössten Fass des Mittelalters mit 71.000 Litern gehortet; das waren solch gigantische Mengen, dass nicht einmal die aufständischen Bauern es im Jahr 1525 leeren konnten. Eberbach war ein Grossbetrieb, ein Quasimonopl, seine gigantischen Weinpressen und all die abhängigen Bauern erlaubten es den Zisterziensern, Wein billigst zu produzieren. In einer Weingegend kann man wenig damit anfangen, und so hatten die geschäftstüchtigen Mönche eine Idee: Sie handelten mit den Zollstationen den Rhein hinab Zollfreiheit aus, die sonst niemand hatten, und verschifften den Wein nach Köln, wo er in 12 grossen Läden verkauft wurde. Es war pures Preisdumping, was die Eberbacher da in der damals grössten Stadt Deutschlands betrieben, Eberbacher Wein war ein Drittel billiger als der übliche Tropfen. Kurz, das was die Chinesen heute mit billigen Schuhen in Europa der lederverarbeitenden Industrie antun, machten die Eberbacher Leuteschinder mit ihrem Blutwein mir Kölns Weinhändlern. Und so, wie Idioten heute mit miesen Schuhen ihre Füsse ruinieren - dachte der Kölner als ein solcher: Hey geil! Billigster Wein! Ein Drittel mehr saufen für den gleichen Preis!

Das machte Eberbach gross und reich, und den Kölner genetisch bedingt erheblich lallend und zu dem unfähigen Brückenbauer, der er heute ist. Ob die bloggende Nazischeisse ihren Grund jedoch im braunen Dreck der Zisterzienser mit ihrer Neigung zu Kreuzzügen und Judenhass hatten - ich weiss es nicht. Man kann Eberbach für vieles, aber nicht für alles verantwortlich machen. Heute ist es ein staatliches Weingut mit stattlichen Preisen, bei dem man sich Alkoholismus nicht leisten kann. Man sieht auch hier also den Vorteil des moderaten Staatswirtschaft gegenüber den faktisch nicht sinnvollen Kräften des freien Marktes.

13 Kommentare zu “Eberbach die Ursache des Degenerativs”

  1. Erik Schmidt schreibt:

    Äh … bist Du schon wieder auf dem Heimweg?

  2. donalphonso schreibt:

    Nein, ich fahre jetzt erst mal rüber nach Holland und spanne etwas aus. In Eberbach war ich auf der Reise nach oben, aber das habe ich erst jetzt geschrieben, statt einem eigenen Kölneintrag - man muss das da ja nicht auch noch mit einem Beitrag unterstützen.

  3. Erwin schreibt:

    Man könnte den Autor mit einem einfachen Tadel wegen der Verwechselung von Ford und Opel davonkommen lassen. Ford, nicht Opel, baut in Köln. Bis heute gibt es die schönsten Verschwörungstheorien, warum zwar die Stadt im zweiten Weltkrieg in Grund und Boden gebombt wurde, aber nicht die Werke von Adolfs Kumpel Henry Ford.

    Zum schweren Tadle muss man allerdings nach folgenden Aussagen greifen:

    > Eberbacher Wein war ein Drittel billiger als der übliche
    > Tropfen.
    > …
    > Ein Drittel mehr saufen für den gleichen Preis!

    Ein völliges Versagen des bayerischen Abiturs. Ein Drittel billiger bedeutet die Hälfte mehr saufen für den gleichen Preis. Prozentrechnen für Anfänger.

  4. Avantgarde schreibt:

    Verblüffend: Du hast es wirklich geschafft, Eberbach zu beschreiben, ohne die Eco-Verfilmung zu erwähnen.

    Aber dass Adso in besagtem Weinkeller das namenlose Bauernmädchen gevögelt hat (oder eher sie ihn) soll dann doch nicht unerwähnt bleiben.

    “Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus.”

  5. donalphonso schreibt:

    Siehste mal, was allein schon die Anwesenheit dort ausmacht - ich rechne wie ein Koelner.

    Und mit Filmen habe ich es ohnehin nicht so. Eco schon gleich gar nicht. Ich mein, wenn ich da anfangen wuerde, ueber die historischen Fehler zu sprechen…

  6. Kristof schreibt:

    Unintelligente Brückenführung, Fordproleten, lallender Singsang? OK.
    Aber “Berliner des Westens”, das geht nun wirklich zu weit!

  7. donalphonso schreibt:

    Los verklag mich doch! ;-)

  8. Kristof schreibt:

    Wohl Langeweile!?
    :oP

  9. arboretum schreibt:

    Im Steinberg, den die Zisterzienser angelegt haben und der einer von nur vier lagenfreien Weinbergen in Deutschland ist (Steinberg, Schloss Vollrads, Schloss Johannisberg, alle im Rheingau, sowie Schwarzhofberg in der Nähe von Wiltingen an der Saar), im Steinberg also steht noch das “Schwarze Häuschen”, aus dem die Aufseher heraus früher die Arbeiter überwacht haben. Heute gibt’s da an Wochenenden Brot und Wein, was sehr nett ist, wenn man vorher durch die Weinberge gewandert ist.

  10. donalphonso schreibt:

    Und Alkohol mag… ich kann so über deselben schreiben, weil ich ihn nicht trinke. Aber es könte andere Blogger geben, die das interessiert.

  11. arboretum schreibt:

    Na, nur darum habe ich das geschrieben. Dass Du keinen trinkst, weiß ich doch, ich les ja nun schon lang genug Deine Blogs. Abgesehen davon gibt es am “Schwarzen Häuschen” auch Wasser zu trinken, wenn einem der Sinn eher danach steht, weil die Wanderung lang und heiß war.

  12. donalphonso schreibt:

    ich würde jemanden kennen, der dort Wein tränke - aber ich fürchte den kriegt man nicht auf einen Berg. Aber ich frage mal…

  13. arboretum schreibt:

    Faule Leute fahren mit dem Auto dahin und laufen die paar Meter in den Weinberg hinein.

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