Kirchen zu Küchen!

Gestern haben wir gesehen, welche tragischen und geschmacklosen Folgen es haben kann, wenn Christen ihre Kirchen mit Leichenteilen und Splattergeschichten vollstopfen. Fast 2000 Jahre tun sie das jetzt schon, und was hat es ihnen gebracht? Einen Boss aus der bayerischen Provinz und viele Mitglieder, die im Bett gegen Atheisten stets den Kürzeren ziehen. Kein Wunder also, wenn die Kirche inzwischen genauso verzichtbar ist wie russische Neokommunisten, die amerikanischen Südstaaten und die Machthaber in Peking und Teheran. Es wird Zeit, die Augen abzuwenden von diesem Grauen und zu fragen: Was wird sein, wenn ihre Tempel dereinst von genussfreudigen Libertären betrieben werden? Und dafür gibt es einen Testfall: San Matteo in Verona.

Von ca. 1100 bis zur Säkularisation war San Matteo das Übliche: Alte Weiber erzählten mangels anderer Gelegenheiten was von Unbeflecktheit. Priester priesteten, zeigten Leichenteile her und verteilten Oblatten an Leute, die glaubten, es sei Fleisch. Dann kam die Säkularisation und zog den Stecker von diesem Treiben. San Matteo hatte Glück und blieb auch nach Napoleon geschlossen - bis jemand auf die famose Idee kam, in den Korpus des toten Erzfeindes ein - Restaurant hineinzubauen. Für einen wie mich ist es das höchste, im Kadaver der Gegner zu schmausen, also hinein, und diesmal ohne das blöde Gefühl, als Hebräer mich damit dem Heimspielplatz derer auszuliefern, die mich auf Bayerisch gesagt katholisch machen wollen.

So macht Kirchenbesuch richtig Spass: Essensgeruch statt Weihrauchgestank (ich glaube ja, dass einer der heiligen drei Könige ein Doppelagent des Herodes war und den ersten Giftgasanschlag der Geschichte unternonmmen hat), Kellner statt Ministranten und der anbetungswürdige Chef von das Ganze hängt nicht irgendwon oben ab, sondern werkelt für mich in der Küche, nimmt einen Büffelmozarelle, so gross wie eine kleine Brust, schneidet ihn in kompakte Halbkugeln, legt sie auf meine Pizza, und bitte:

Das ist das Ergebnis. Und ich muss beim delikaten Geschmack des Mozarella sagen, und beim Anblick der Copilotin über dem Thunfisch: Leute, wenn Ihr volle Kirchen wollt, dann stellt Tische rein und die Pfaffen rauf, macht keinen mehr auf Oblatten und auch keinen auf Touriküche, und wir können drüber reden. Solange es nicht Abtreibungsverbote, Totalitarismus und Euer komisches Verhältnis zu Leichenbrocken ist.

Ristorante S. Matteo Church
Vicolo del Guasto, 4
Verona
www.sanmatteo.it

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