Nach Prada.

Wenn man unten am Gardasee ist, gibt es darüber noch so einen Berg namens Monte Baldo. Er begleitet den Fahrer entlang der Gardesana Orientale von Torbole bis hinter nach Garda, und an manchen Punkten ragt er senkrecht aus dem See empor.

Weiter im Süden wird er etwas flacher, aber immer noch sehr steil und unwirtlich. Es gibt eigentlich keinen Grund, da hoch zu wollen. Unten ist es ohnehin traumhaft. Es sei denn

man will wissen, was das eigene Auto so drauf hat: Mitten in Brenzone, gleich hinter dem auffälligen und sehr empfehlenswerten Hotel Rely, einem imposanten 60er-Jahre-Bau, geht links eine steile Rampe in Richtung “Castello” die Brenzone hinauf.

Man schlängelt sich die Gasse hoch durch den Ort und mag es kaum glauben, dass dieser betonierte Feldweg die Passstrasse sein soll - aber so ist es. Wenn in einer Tornate ein Rohr verlegt wird, müssen die Bauarbeiter aus dem Loch und einen drüber dirigieren. Und dann ist der rechte Aussenspiegel nur noch Zentimeter von der Wand entfernt.

Die ersten steilen Rampen sind vorbei, Castello liegt schon etwas weiter unten, da gibt es den ersten Vorgeschmack auf Kommendes. Die Aussichten sind ebenso grandios

wie die Strecke überraschend ist. Man braucht eigentlich nur die ersten beiden Gänge und trotz der Steigung die Bremsen. Und die Hupe. Die Strasse ist breit genug für ein Auto und einen Fussgänger. Bei diesem Bild steht das Auro ganz rechts am Abgrund. Und da vorne führt die Strasse im 90-Grad-Knick am Felsen vorbei.

Auf 1150 Meter - was angesichts der Höhe des Gardasees etwa 1000 relativen Höhenmetern entspricht, wird die Landschaft Richtung Norden alpin, im Sinne von Almen und Weiden, und am Horizont ist die Bergkette rund um den Lago di Ledro. Wo es auch eine schöne Strecke gibt.

Allerdings keine 700 Meter hohen Abgründe hinter der Leitplanke mit Seeblick. Hier lernt man, was präszise Steuerung und Wendigkeit bei einem Auto wirklich bedeuten: Ihr Fehlen ist das Ausschlusskriterium für all die Reutlinger Rentnermercedes im Tal.

Das war dann aber die letzte harte Stelle einer Strecke, gegen die das Stilfser Joch eine dreispurige Autobahhn ist. Oben auf dem Sattel weitet sich die Landschaft auch nach Süden zu einem grünen Hochtal wie bei Oberammergau.

Und einer exzellent ausgebauten, kurvenreichen Strase, die für Geschwindigkeiten höher als 50 Sachen taugt. Eine Strecke, die naturgemäss bergab mehr Spass macht, wobei ich sie mit dem Rennrad lieber mag: Von hier bis ins Tal muss man mit dem Rad fast nie bremsen. Mit dem Auto sollte man das in den Spitzkehren durchaus tun.

Dreht man den Kopf nach rechts, sieht es jetzt laufend in etwa so aus. Links das Gebirge, rechts die mediterrane Landschaft, und dazu die Ruhe und die leere Strasse hier oben, kaum Verkehr, immer nu die Sicht, die Panoramen, das Licht und die nächste Kurve.

Und was für eine Kurve! Eine überhöhte Kurve, die mit Druck auf dem Pedl genommen werden will, eine Kurve, die nach Gas im Scheitel schreit, eine Kurve, hinter der alle Schönheit liegt und der nächste grandiose Blick, die Kurve, die das Leben sein soll und für die dieser Wagen geschaffen wurde.

Das macht hungrig. Hinter dem Dorf Prado, das den höchsten Punkt darstellt, kommt St. Zeno, und da gibt es diesen Alimentari, der hiesigen Käse hat: Einen sagenhaft frischen Asiago etwa, oder etwas, das ich auch nicht kannte: Schwarzer Pecorino mit Olivenkruste.

Eine Geschmackserfahrung, zu der man sich das Panorama heraussuchen kann. Diese Weidegegend etwa passt prima zum Asiago.

200 Höhenmeter tiefer kommen dann die ersten Olivenhaine, und es ist Zeit für den Pecorino. Es ist schwer zu sagen, was in dieser Luft, mit dieser Aussicht besser ist.

Dann geht es weiter hinunter, es wird wieder wärmer, immer ins Licht hinein, und wollte man jeden Blick hinunter nach Torri de Benaco festhalten, bräuchte man eine Stunden und etliche Speicherkarten. Wobei:

Unten, da wo alle sind, ist es auch nicht ganz schlecht. Geht schon. Und vor allem ist die Gardesana praktisch und gerade und nicht steil und man schwebt nicht dauernd zwischen Angst und Verzückung, wenn die Reifen über den groben Asphalt da oben in die nächste Kurve über dem Nichts kreischen. Bleibt also besser da unten, ihr Opels, Mercedes und Audi Kombis, das würde euch sicher nicht gefallen. Da oben.

7 Kommentare zu “Nach Prada.”

  1. schusch schreibt:

    *seufz*

    Die Winterreifen müssen endlich runter und der Alfa muss mal wieder Heimatluft schnuppern.

    Wird Zeit.

    Lago di Ledro, das erinnert mich an meine Abiturientenzeit und ein wilde Nacht da oben…iss aber nix für Blogs, nicht die normalen.

  2. mic schreibt:

    Sehr schöne Fotos, und eine schöne Zeit auf dem Weg und am Ziel!

  3. donalphonso schreibt:

    Na macht hin, das Schoene liegt so nah! (Nein, ich werde nicht vom Fremdenverkehrsamt bezahlt)

  4. casino schreibt:

    Also gut, dank Ihres Reiseberichtes gerade eben haben sich meine Sommerpläne entschieden, es werden halt doch wieder die norditalienischen Seen sein. Der frische Asiago, seufz. Diesen Weg da oben bin ich mit einer Guzzi gefahren, zu den alljährlichen Feierlichkeiten in Mandello del Lario, und dann viele Jahre später mit leichtem Herzflattern in einem Vw-Van, und drei merkwürdig stillen Kindern auf dem Rücksitz, die fehlende präzise Steuerung war da ja nicht einmal das schlimmste, das Rückwärtsfahren war’s. (Hihi! Herr Alphonso hilft mir bei der Ferienplanung, das Leben ist wunderbar manchmal. Danke jedenfalls.)

  5. donalphonso schreibt:

    Schuldig im Sinne der Anklage. es sind solche Kommentare, die mich mal zu einem Werbeblogger machen werden ;-)

  6. casino schreibt:

    (je nun, aber kein normaler mensch kommentiert doch in einem werbeblog)

  7. donalphonso schreibt:

    Das haengt ganz von dem ab, der es schreibt. “Indiskretion Ehrensache” ist ja auch “Werbung” fuer das handelsblatt.

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