Urlaub im Urlaub

Es wird gerne hergezogen - von Touristen - über die Anwesenheit von zu vielen Touristen an touristischen Orten. Natürlich sind sie selbst ganz andere Touristen, verständig, gebildet und fallen unter den Einheimischen abslut gar nicht auf, machen keinen Dreck und sind nur gut für die lokale Wirtschaft, und sie latschen auch nicht ständig in Bilder. Salzburg muss für solche Leute ein Gräuel sein.

Tatsächlich ist es unbestreitbar, dass Salzburg gerade jetzt, da es sich herausputzt für den Geldregen der Festspiele, auch an einem normalen Wochentag gesteckt voll ist. Die Kollegiatskirche ist wegen Proben geschlossen, die Fotohändler wollen 25 Euro für die Gigabyte-SD-Karte, aber nichts hält die internationalen Massen davon ab, sich durch die Gassen zu wälzen. Und ich - finde es toll.

Es ist doch so mit Touristen wie diesem obigen, an das legendäre “Ratpack” angelehnte Chorpersonal: Ja, es sind Amerikaner. Sie sind es unverkennbar. Und sie sind so amerikanisch, dass man in ihnen auch gleich die bessere amerikanische Gesellschaft besichtigen kann.

Oder diese Japanerin. Ich bin mir sicher, sie wechselt jede Saison ihre komplette technische Ausstattung, inklusive Kameraanhänger. Und sie ist eine von diesen immer extrem korrekten Japanern, die sich nie gehen lassen und auf dem Kontinent immer versuchen, ein möglichst gutes Bild abzugeben. Vielleicht sind das dann auch die Japaner, die sich in Mails nach Hause beschweren, dass es in Salzburg zu viele geschmacklose japanische Touristen gibt, und erst die Koreaner, die Niederländer des fernen Ostens…

Ich schaue mir solche Leute gerne an. Weil sie etwas mitbringen, was man so in ihrer Heimat vielleicht gar nicht so zu Gesicht bekäme. Oder etwas, das typisch ist, wie dieser junge Herr aus dem Mittleren Osten vor dem Uhrengeschäft, in dem gerade die Auslage - schliesslich kommen all die vermögenden Festspielgäste! - geputzt wird. Ja, es ist Rolex. Und würde ich im Mittleren Osten leben und die Ölscheich-Preise dort kennen, würde ich auch in Österreich begeistert sein und fassungslos die erheblich niedrigeren Bergbauern-Preise lesen.

Und dann die Kultur in der Kultur vor der Kultur: Inder, die sich bis hinunter zum Burberry-Regenschirm britisch benehmen und als HinduistenHindus? Buddhisten? Angehörige der Staatskirche Ihrer Majestät? vor den Zeugen katholischen Bekehrungseifers ablichten, die wissend-bewundernde Pose der britischen Grand Tourer des vorvorletzten Jahrhunderts einnehmen und dabei den Schirm bewusst mit auf das Bild nehmen. Herrlich.

19 Kommentare zu “Urlaub im Urlaub”

  1. Avantgarde schreibt:

    Mmmh diese Japanerin. Bestimmt elegant beschuht, oder?

  2. donalphonso schreibt:

    Der Prototyp der reichen Tochter auf Auslandsaufenthalt. Mit allen Insignien der westlichen Konsumwelt. Der Typ Touristin, bei der jedes Stadtmarketing gierig zu zittern beginnt. Im Übrigen auch nicht wahllos herumknipsend.

  3. Avantgarde schreibt:

    Die würde sich auch nie auf irgendwelche Stufen setzen und dort irgendwas essen.

  4. donalphonso schreibt:

    Soweit ich weiss, gilt in der Öffentlichkeit essen in Japan ohnehin als inaktzeptabel. Und dieses spezielle Exemplar versucht offenkundig, dem zu schlanken Ideal der dortigen Gesellschaft nachzueifern - Essen wäre da generell ein Fehler.

  5. Avantgarde schreibt:

    Aber sie hält dieses Nichts an Kamera wirklich sehr elegant

  6. donalphonso schreibt:

    Und sie drängelt auch nicht. Als ich den Salzburger Dom verlassen habe, war an der Pforte der übliche Stau, aber das hat eine Gruppe aus Fernost nicht davon abgehalten, einfach durchzubrechen. Insofern dachte ich mir, ich stelle lieber die guten Beispiele heraus, als in die üblichen Beschwerden einzustimmen.

  7. Avantgarde schreibt:

    Was wiederum die Amerikaner betrifft… statt Mascherl mit Krawatte hätte man die auch für Mormonenmissionare halten können.

  8. Avantgarde schreibt:

    Oh, aber diese Fernostgruppen haben Zeitpläne einzuhalten… 5 Minuten Verspätung sind da fatal.

  9. donalphonso schreibt:

    Nun, diese Amerikaner waren nur Teil einer grösseren Gruppe - die davor und die danach haben entweder Instrumente geschleppt, oder schon mal singend den Hall der engen Gassen ausprobiert. Netterweise war es noch die Krönungsmesse, und nicht irgendwelche Rapversuche einer Gruppe junger Hamburger. (Ich merke gerade, dass nicht jeder Tourist zu besiichtigen ist)

    Auf der anderen Seite war noch ein Juwelier, den ich nicht mehr rechtzeitig in die Kamera gebracht habe: Da pilgerte eine ganze Schar einer derartigen Gruppe vorbei, denn die Auslage war asiatisch mehrsprachig. Und jeder dieser Betrachter hatte ein Tütchen von einem Hersteller fragwürdiger Strasssteinchen und Töchter, die nicht mehr ministrable Witzfiguren ehelichen. Sollte man also an der Pforte des Salzburger Domes totgetrampelt werden, kann man sich sicher sein, dass es dem termingerechten Absatz österreichischer Geschmacklosigkeiten dient.

  10. Avantgarde schreibt:

    Nun ja, diesen Strasshersteller gibts ja auch auf dem Marienplatz. Wobei einem hier eher die dunklen, kohelumrandeten Augen junger tiefverschleierter (aber intensiv duftenden) Dienstmädchen mittelöstlicher Scheichs auffallen, die hier ein wenig an den gestiegenen Ölpreisen mitprofitieren dürfen.

    Übrigens sind die gar nicht so unzugänglich, wenn man gewisse Spielregeln kennt (und nahes sicheres Quartier).

  11. christinebiene schreibt:

    [Indologin an]Pssst… Hinduisten gibt es nicht. Nur Hindus. [Indologin aus]

    (Entschuldige, aber diese Dinge tun mir im Herzen weh.)

    Ansonsten: liebe ich es ja, Touristen zu beobachten, gerne auch in heimischen Gefilden.

  12. donalphonso schreibt:

    Im arabischen Berich, so vernimmt man, bevorzugt man ohnehin eher wieder die eigene Region, wo man sich ja auch offensichtlich ausreichende Attrappen hinstellt.

    Das mit den Hindus wird natürlich gleich klatgestellt - nicht dass ich im nächsten Leben als Fliege auf dem Scheissdreck deutscher Blobvermarkter existieren muss.

  13. Avantgarde schreibt:

    Naja USA und UK sind etwas aus der Mode gekommen bei den arabischen Besuchern. München liegt dagegen voll im Trend, besonders bei Gesundheitstouristen. In Großhadern gibts schon abgetrennte Bereiche.

    Im Garten des Münchner Hilton bauen sie jeden Sommer ein riesiges Beduinenzelt auf, und manche Häuser im Alpenvorland werden im Sommer komplett an arabische Großfamilien vermietet.

  14. Monolith2063 schreibt:

    > Der Prototyp der reichen Tochter auf Auslandsaufenthalt. Mit allen Insignien der westlichen Konsumwelt.

    Muss nicht unbedingt die reiche Tochter sein. Viele junge Japaner leben lieber lange bei ihren Eltern und geben ihre ganze Kohle für den Konsum aus. Bei vielen jungen Frauen, gerade den Office Ladies, stehen Prada und D&G hoch im Kurs. Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Office_Lady

    Im übrigen nicht nur ein Trend in Japan, sondern auch in anderen asiatischen Zentren.

  15. Avantgarde schreibt:

    Ich finde sie hat ein herrlich arrogantes Näschen

  16. Monolith2063 schreibt:

    Was ist denn an der Nase arrogant?

  17. Bastian schreibt:

    Wo befindet sich das Gebäude von dem fünften Bild, weiß jemand? Danke.

  18. Michael Bödeker schreibt:

    sehr geehrter don alphonso,

    stillgelegt??? bei sovielen reisen.
    england, frankfurt, schweiz

    die mille miglia 2009!

    hoffe auch hier auf bessere zeiten

    beste grüße und wenig regen
    wünscht
    m.bödeker

  19. malefue schreibt:

    @Bastian: ist wahrscheinlich zu spät, aber:
    das ist der salzburger dom, mit den tribünen für den jedermann. mittendrin die marienstatue. das bild ist zu klein aber aus dieser perspektive halten die engel überm eingang des doms die krone genau über maria.

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