Der Tod am Bach

Zwischen Vorderriss (Deutschland) und Hinterriss (Österreich) wirkt die Landschaft an sonnigen Tagen lieblich und reizvoll. Bei heftigen Regenfällen jedoch zeigt sie, was in ihr steckt: Lockerer Sand an die Hängen, der von den Wurzeln der Bäume bis zu einem gewissen Moment gehalten wird. Aber sobald ein Hang von den anschwellenden Bächen unterspült wird, gibt es kein Halten mehr:

Es ist kein guter Ort, er hat eine seltsame Aura, und der Verdacht, dass hier nicht alles in Ordnung ist, wird nur wenige Schritte weiter erhärtet: Es ist ein Ort des Todes. hier starb jemand unerwartet. Unsere Krankenhäuser sind sicher noch mehr mit dem Tod verhaftet, aber hier, in dieser eigentlich sagenhaft schönen Landschaft, setzt der Schnitter eine Zeichen, an dem man nicht achtlos vorübergehen kann.



Der Tod ist nur selten eine erfreulicher Erfahrung, man würde ihn vermeiden, wenn es geht, aber dennoch, wenn es schon sein muss und an der Stunde nichts zu rütteln ist, sollten wenigstens die Umgebung und die Umstände halbwegs stimmig sein. Lieber hier, als an einer Maschine im Krankenhaus, möchte man sagen,lieber bis zuletzt dort, wo man sein will, als in nackten Wänden ohne Ausflucht.

Die ewigen Jagdgründe sind auch gleichoberhalb der Gedenkstätte, Berge, Wälder und Felsstürze, dort oben ist kaum ein Tourist, denn die Region ist nicht einfach zu erreichen, und wer kommt, fährt weiter nach hinten in die Hochebene bei Eng, wo sich im Herbst die Bäume blutrot färben. Da oben hat er vielleicht geschossen und manches Geweih beschafft, das heute hier unten die Häuser ziert. Und auch sonst hat man ihn nicht vergessen.

Die Kanne wird es aber nur selten brauchen, so wie es hier zuletzt geregnet hat; das Wasser kommt aus dem Bach daneben, der in der Hitze allenfalls ein Rinnsaal sein dürfte - gerade jetzt aber ist es nicht ungefährlich, über Felsstrürze zum schnellen Lauf des türkisblauen Bergwassers hinabzusteigen. Er, dessen Ableben hier gedacht wird, hätte aber vermutlich keine Angst gehabt.

Es ist schön hier, wildromantisch und eindrucksvoll. Aber man darf nie vergessen, dass der Berg kein Flachland ist, der Tod ist immer hinter der nächsten Kurve und unter dem losen Stein, er säuselt mit den Wellen der Sturzbäche, seine Sanduhr läuft hier oben manchmal sher schnell ab, das hier ist sein steiniges und bewaldetes Land, und manchmal lässt er einen wissen, dass man die Lebenszeit nur von ihm auf Wiederruf geliehen bekommt, und die grosse Reise des Lebens zu einem Ende kommen wird.

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