Danksagung
Ich habe eine Freundin. Die ich konsequent aus meinen Blogs draussen lasse. Das geht keinen was an, so blogbar sie auch in jeder Hinsicht sein mag. Es ist sehr schade, nicht über sie zu schreiben, aber das sind meine süssen Geheimnisse, die ich nicht zu teilen gewillt bin. Und dann hat sie noch eine Urlaubsauffassung, die der meinen konträr gegenübersteht. Sie liebt Sand, Meer, Wellness und verträgt Kulturprogramme, Radeln oder historische Fahrten nur begrenzt. Man kann mit ihr nicht zu einer Wiese gehen und sagen, dass hier mal ein wichtiges zentrum der Laugen-melaun-Kultur war, und sie jetzt bitte die Topographie vergegenwärtigen möchte. Und ich gehe drauf, wenn ich an einem Strand liegen muss im Wissen, dass ein paar Kilometer von hier dieses und jenes zu sehen wäre, mit einem läppischen 800er Pass zwischen mir und dem Ziel. In der Folge gab es einen Kretaurlaub und ein paar hoch liegende minoische und byzantinische Siedlungen, die die Grenzen so einer Beziehung aufzeigten. Die Marotten des Bloggens - Essen ablichten, am Computer schreiben, Internetcafes frequentieren - machen das alles auch nicht gerade besser.
Insofern bin ich ganz froh, die Copilotin kennengelernt zu haben, die ebenfalls einen Freund und ein Blog hat und sich in einer nicht unähnlichen Situation befindet. Wir kennen uns schon etwas länger, haben einiges zusammen erlebt und auch längere Besuche konfliktfrei überstanden. Unsere Interessen überschneiden sich, wir können zusammen einkaufen oder in Museen gehen, man muss sich nicht verbiegen, und es war auch über Wochen hinweg immer sehr, sehr angenehm mit ihr. Das einzige Problem war das Gepäck, und das ist jetzt mit dem Heckträger auch unter Kontrolle. Es ist schön, dass sie sich an meinen impulsiven Bewunderungen für Land und Leute nicht stört, und zäh genug ist, das Verdeck erst zu schliessen, wenn es wirklich unter 0 Grad hat und stark regnet.

Das andere war nicht ganz so einfach. Bei der Copilotin war ich mir sicher, dass sie eine gute Wahl ist. Das Gefährt dagegen mochte mich nicht. Schliesslich war es der Wagen meiner kleinen Schwester, der im Winter regelmässig voll Wasser lief, und das durchfeuchtete Elend bekam ich dann, während sie solange meinen Punto nahm. Die Barchetta erschien mir als elend marottenreiches Miststück, und einmal, als ich unbedingt eine wunderschöne Frau heimbringen und komplett vernaschen wollte, war das Ding von den exzentrischen Türgriffen bis zu den Dichtungen komplett zugefroren. Das passierte mehrfach. Und wenn es mal wieder ein Problem gab, oder der Wagen 12 Monate keinen TÜV hatte, musste ich das ratternde Wrack ohne Heizung über 80 winterliche Kilometer zur Werkstatt fahren, die meine Eltern dann bezahlten. Im Sommer war die Barchetta dann wieder bei meiner Schwester, bis sie dann zu viele Beulen und Risse hatte und einen ganzen Winter praktisch schrottreif am Strassenrand stand.
Zum Wegwerfen fand ich sie dann doch zu schade, holte sie und brachte sie wieder in Schuss. Ich lernte, gegen die Vereisung und Wassereinbrüche vorzugehen, ich kaufte mir Roadsterbrillen und Handschuhe und sogar Lederjacken, ich füllte Öl und Wasser nach und reparierte nach Leibeskräften. Und fuhr dann gegen den Rat meiner Eltern - mein Vater hatte seinerzeit ein ähnlich marodes Motorrad in Frankreich defekt zurücklassen müssen - zum ersten Mal nach Italien.

Genau dafür ist die gemacht. Italienische Pass- und Landstrassen sind ihr natürliches Revier, da zeigt sie mit kurzem Radstand und geringem Gewicht, wie ein italienischer Roadster zu sein hat. Mit dem richtigen Fahrer am Steuer - ich habe eine dunkle Vergangenheit als Werksfahrer und bin schon mal mit Tempo 80 über die schmalen Bleche eines Transportzuges gebrettert, oder mit einem Ersatzwagen in ein paar Stunden von Bayern nach Nizza - sind ganz erstaunliche Dinge möglich. Nicht so viel wie mit einem Rallyefahrzeug der Quattroklasse, aber auf Gebirgsstrecken würde ich nicht versuchen wollen, der Barchetta mit einem stark motorisierten Wagen der Oberklasse folgen zu müssen. Sie ist perfekt ausbalanciert, hat enorm viel Grip in den Kurven, eine sehr agile Lenkung und einen drehfreudigen Motor. Die Kombination ist grossartig, und weil man in Spitzkehren offen einfach mehr sieht, ist man spätestens an der nächsten angeschnittenen Tornate auf und davon - ohne deshalb gleich rasen oder Benzin verbrennen zu müssen. Ich mag dieses Barchettagefühl, und es ist eine echte Schande, dass Fiat den Wagen nicht weiter entwickelt und seine Fehler ausgemerzt hat.
Ich denke, man merkt, dass ich Copilotin und Wagen treu bleiben werde.
8. June 2008 um 13:32
Du hast eines im Loblied auf die Barchetta vergessen: die neidischen Blicke an der Zapfsäule, wenn du laut vor dich hinrechnest. “300 km offen mit 160 auf der Autobahn und dann noch der Stau und die drei Pässe. Alles mit dem Tisch auf dem Gepäckträger. Na gut, da kann man schon mal auf 8,5 Liter kommen.”
8. June 2008 um 13:38
Psssst… ich beschaffe gerade der nächsten Bloggerin eine kleine B., ich will nicht, dass die Preise klettern.
Ich habe auf der Reise durch Italien offen, mit Gepäck aber erheblich langsamer etwas über 7 Liter verbraucht, ohne jetzt besonders darauf zu achten.
9. June 2009 um 15:16
Na, die Briten konnten’s aber auch …
Ich habe bisher leider noch nicht erleben dürfen, wie sich ein Schiffchen (”barchetta” - Schiffchen) anfühlt, weder als Bei- noch als Fahrer. Dafür gehört mein Herz einem Auto aus dem Land, in dem der Begriff “Roadster” erfunden worden ist - ich fahre einen MG F aus Zeiten, in denen MG noch nicht pleite war. Italien offen - und besonders die Strecke durch die Schweiz bis dahin, wenn man auf die Vignette dank Navi verzichtet - ist ein Erlebnis. Und der MG trinkt auch keine acht Liter auf hundert km …
Roadster ist eben ein Wort, bei dem Steckscheiben statt elektrische Fensterheber mitklingen und das Stoffdächlein obendrauf nur dafür ist, bei der Ausfahrt im April Frisur bzw. Hut gegen die Unbill des Wettergottes abzusichern.