Das Reiseleben der Anderen
Erreicht man die A99, die Ortsumgehung von München. diese topfebene Strecke durch die Schotterebene. und überall fegen sie wieder an einem vorbei, als gäbe es da vorne Freibier und Freibenzin, löst sich das mit der Urlaubsstimmung sehr schnell in Missfallen auf. Nein, Italien war diesmal nicht wirklich gnädig, aber auch nicht schlimmer als das hier, zumal es hier regnet. Und dann die Einstellung der Leute. Diffizil, um es vorsichtig zu sagen. Deren Reisen sind nicht meine Reisen. So wie das Wohnwagengespann da vorne, das erst an mir vorbeipreschte und dann zu einer anderen Verrichtung wieder langsamer wurde.

Es ist nämlich nicht im Mindesten ausgestorben, diese Neigung, das Unterwegs als Gelegenheit zu begreifen, die heimischen Jägerzäune einfach ein wenig zu verlängern und woanders wieder aufzuspannen. Mit allem, was daheim wichtig ist, ohne auch nur einen Moment daran zu denken, dass es anderswo aus sich selbst heraus auch angenehm und schön sein kann. Reisen ohne Offenheit ist nur ein mobiler Urlaub auf dem Balkon, und da würde ich keinen Unterschied machen zwischen dem Massengangbang auf Malle und Ibiza, wo sich Dresden und Herne ihrer Gleichartigkeit versichern, sondern auch diese aufgehängten Fanale der totalen Verweigerung, der Gardinen, die man überall haben muss, ein Rosengruss und gleichzeitig ein globales Leckmich, die Fortschreibung des deutschen Wesens, das überall von der restlichen Welt genesen will.

Es gibt viele Fahrzeuge und Verkleidungen, mit denen man auf der Autobahn zur Hölle unterwegs sein kann, eingeblecht und zielorientiert und nur von Pinkelpausen unterbrochen, ohne jede Sehnsucht und Hoffnung auf das Unerwartete. Sie sind schneller als ich, sie haben Bordcomputer und Navigation und Einparkhilfe, die Landstrassen nehmen sie nur, um Gebühren zu sparen, und weil sie in den Kurven am Brenner immer bremsen, lassen sie es auf den Geraden krachen und wundern sich dann, wenn dort die Radarkontrolle steht. Sie sind die Sachbearbeiter des Unterwegsseins, sie verwalten die Distanzen, und sollte ich jemals auch so werden, ist es an der Zeit, komplett und vollumfänglich diese Welt auf der letzten, voll durchkalkulierten Reise mit sicherer Pension mit Würmern zu verlassen.
1. June 2008 um 14:07
Ich kann Dich nur allzugut verstehen - die ganzen Vollspacken auf der Autobahn sind nur einer der Gründe, warum ich seit Jahren viel lieber mit dem Motorrad als mit dem Auto in den Urlaub fahre, und das selbstredend auf Landstraßen, gerne auch mal reizvolle Nebenstrecken, auch wenn ich dadurch etwas später ankomme. Gestern habe ich zum Beispiel auf dem Heimweg noch schön ein paar Kehren im Harz genossen, die 30 Kilometer mehr auf der Uhr und die Stunde längere Fahrzeit wird durch den gesteigerten Fahrspaß mehr als wett gemacht.