3. Etappe zurück: Vom Sarcatal zum Penser Joch und weiter

Kommt man von Riva nach Arco und will weiter über den Pass bei Cadine nach Trient (SS45bis), sollte man immer die Route über das Stadtzentrum nehmen, nie den Kreisverkehralptraum im Süden zur Umgehung des Ortes. Dann kommt man auch durch diesen entzückenden, in seinem k.u.k. Kurortcharme erstrahlenden Marktflecken unterhalb der Burg, und fährt vorbei an seinen sonnigen Balkonen und Berghängen zur linken Seite.

Fährt man jedoch auf der Ostseite, kannn es passieren, dass über und an den Berghängen Dinge zu finden sind, die jeder Cabriofahrer zu meiden sucht - man mag es kaum glauben, aber diese andere Ansicht des Mikroklimas im Sarcatal ist an der gleichen Ampel, ein paar Sekunden nach dem ersten Bild zur gegenüberliegenden Himmelsrichtung hin aufgenommen:

Aber so ist alles gut, und die Reisegeschwindigkeit steigt stark an. Unter anderem, weil die Banken in Riva Leitungsprobleme haben, und kein Geld für weitere Käufe ausspucken können. Allerdings hat die Barchetta aufgrund der hohen Zuladung im Heck ein ganz seltsames, ungewohnt indirektes Lenkverhalten bekommt. Für den typischen Kombifahrer mag das alles normal sein, aber für hingebungsvolle Pässefeger, Kurvenkratzer und Scheitelzieher ist das Untersteuern eine seltsame Angelegenheit, wenn das Gefährt im Normalfall flink beim geringsten Lenkimpuls durch jede Kurve eilt. Es ist nicht so, dass man nicht auch hoch und wieder runter käme. Aber der Fahrspass leidet. Etwas. Sagen wir mal so: Es könnte schlimmer sein. Oder gar ein Opel Astra.

Weiter nördlich dann, bei Bozen, das gleiche Bild: Schwarzes Gewölk über dem Etschtal und Brixen, dunkelgraues Gewölk mit weissen Schlieren über dem Sarntal. Das Etschtal führt langsam hoch Richtung Brenner, das Sarntal ist die kürzeste Verbindung, aber es geht 48 Kilometer rauf zum Penser Joch. Das ich noch nie sommerlich schön gesehen habe. Das ziemlich hohe Anforderungen an die Fahrkünste stellt, gerade wenn man im unteren Teil überholen muss. Ein Pass, der einem nichts schenkt, oftmals noch nicht mal eine tolle Aussicht auf 2211 Meter, sondern nur Eis, Steine und Graupel in den Weg wirft. Eine Strecke, die sich auch 2008 wieder alle Mühe gab, mit Regen unten und Schnee und lahmen Bussen oben, sich nicht unter die leichten Siege einzureihen.

Nach Sterzing runter ist es dann nicht mehr so schlimm. Mit ein paar Jahren Fahrpraxis. Und ich bin mir auch gar nicht sicher, ob ich vier Stunden nach meiner Fahrprüfung schon Lust gehabt hätte, die hundertirgendwas Kurven hinunter ins Etschtal am Steuer eines öffenen Zweisitzers mit doppelt so viel PS wie die Fahrschulkarre zu nehmen. Mir blieb das erspart, allerdings kenne ich jemanden, die weiss, wie es ist. Die sass beim Weg runter nämlich neben mir, diesmal auf dem Fahrersitz. Und ich überlegte mir zwischen Fels, Abgrund und mitunter auch auf der falschen Fahrbahnseite, was ich wohl darüber schreiben würde. Aber in Sterzing, nach dem Apfelstrudel, sah ich dann dieses Engerl.

Und beschloss, den Hinweis anzunehmen und von da an Schweigen als Tugend zu begreifen, nachdem ich mit vielen guten Worten - jetzt bremsen, lenken, schalten, Gas geben, ist frei, Achtung Kehre - glücklich und heil hier unten angekommen war. Dann der Brenner, danach Innbruck, FPÖ-Wahlplakate und zu viele Opel, der Achensee und der Achenpass, Regen über Rottach und unglaublich penetranter Bärlauchgeruch am Ufer des Tegernsee bei St. Quirin, dann Gmund und die Freude, schon angekommen zu sein und keine 120 Kilometer mehr durch bayern bis in die Provinz fahren zu müssen.

1 Kommentar zu “3. Etappe zurück: Vom Sarcatal zum Penser Joch und weiter”

  1. Don Ferrando schreibt:

    Ich möchte nicht neunmalklug sein. Aber zwischen Bozen und Sterzig liegt das Eisack-Tal!
    Die Etsch kommt aus richtung Meran!

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