3. Etappe: Die Hölle ist der Ort, an dem alle auf den Pässen Opel Astra fahren

Unten, hinter Sterzing machten wir noch seichte, dumme Witze, wegen eines Ereignisses des letzten Jahres. Damals stand am Fusse des Jaufenpasses ein grüner Opel Astra vor uns und drohte, den Kurvenspas auf 2100 Meter gründlichst zu vermiesen. Mit einem halsbrecherischen Überholvorgang in der Haarnadelkur intelligenten Einsatz der Barchettareserven konnte ich das Problem aber lösen, abhängen und aus meinen Augen verschwinden lassen. Dieses Jahr: Kein Opel Astra, weit und breit.

Statt dessen: Kurven und freie Bahn (Video folgt). Sonne. Reizvoller Schnee ab 1600 Meter, Fernsicht und angenehm rubbelnde Strassenschäden. Von allen Pässen, die ich kenne, ist der Jaufenpass vielleicht der Schönste. Ich fahre da nicht hoch, ich liebe es, da hoch zu fahren. Selbst an einem Tag wie heute, wenn wegen Verspätung und Schuhkauf sicher nicht mehr genug Zeit in Meran ist, den Kuchenausfall der kommenden Tage vorzuessen und nochmal Schuhe zu kaufen ein paar Sehenswürdigkeiten wie einen Park oder die Kurpromenade zu besuchen. Diese 18 Kilometer hatten nur einen Zweck: Diese 18 Kilometer zwischen Wald, Schnee, Fels, Abgrund und Bergen.

Mir ist der Fortbestand unserer Autounkultur egal, ich kann mit Benzinpreisen jenseits von 5 Euro leben, und wenn irgendwann das letzte Auto ein Blumenkübel geworden ist, werde ich nicht weinen. Ausser, wenn ich an diesen Pass denke, und daran, dass es vielleicht irgendwann nicht mehr den Moment gibt, ganz oben anzukommen und fassungslos zu sein ob dessen, was man sieht, und diese Bilder, die zeigen, dass man sich entrückt hat vom Einerlei auf den Autobahnen und des Stadtverkehrs. Hier oben sind nur ein Dutzend Autos, nichts im Vergleich zu den Blechlawinen im Tal, es ist sehr anders und sehr schön, zu schön eigentlich, um vorbei zu sein.

Dann geht es weiter. Es geht schnell weiter, sehr schnell, schneller, als ich normalerweise fahre, ich nutze die Schwerkraft und die Saugkraft der Gummis, die Neigung der Kurven und mein Wissen über das Fahren am Berg. Ich lasse es richtig krachen. Ich bin schnell. Denn nach mir kommt die Hölle den Berg hinunter. Die Hölle in Form eines Opel Astra. Wie haben wir gelacht, als eine halbe Stunde nach uns ein Opel Astra keuchend auf den Parkplatz einfuhr. Wie haben wir uns hämisch, schon die Gurte anlegend, gefreut, dass wir sie jetzt nicht mehr sehen müssen.

Und wie entsetzt waren wir, als er Astra nur Sekunden anhielt, seine Insassen offensichtlich mit der Aussicht nichts anzufangen wussten, vielleicht auch merkten, dass es hier oben keine Bezahlbeiträge für windige Pausenclownblogs abzustauben gab, umdrehten und drohten, vor uns die Strecke ins Tal mit ihrem breiten, schaukelnden Arschtra zu blockieren. Ich bin der höflichste Mensch der Welt und kein Raser, aber als ich ganz unten zehn Minuten hinter einem Wohnwagen festhing, kam kein Astra, dem ich oben nicht ganz fair im Rückwärtsgang den Weg versperrt hatte, in meinen Weg. Die Hölle, das sind die anderen. Und sie fahren Opel Astra.

3 Kommentare zu “3. Etappe: Die Hölle ist der Ort, an dem alle auf den Pässen Opel Astra fahren”

  1. nm schreibt:

    Jetzt im Alter fängt er noch an zu rasen. Ich bin schockiert. :D

  2. vert schreibt:

    und ich hatte für einen moment gedacht, es sei sogar ein zafira gewesen. was die sache nicht besser macht (wäre es der cng gewesen, kann er einfach nicht so flott. da wachsen zwar auch keine blümchen aus dem auspuff, aber immerhin…ein verzeihen wäre möglich.)

  3. donalphonso schreibt:

    Irgendwann muss man damit anfangen, sonst bleibt es lahm bis zum Ende. Am Anfang ist es der Fahrer. aber wer Opel kauft, hat seit der Einstellung der Prollschleuder Manta nichts fuer Geschwindigkeit uebrig. Und auch Mantas sind in Kurven fehl am Platz. Die sollen bitte alle auf die Autobahn.

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