Nichtreisen mit meiner Mutter
Diese Reise hat alles, was meine Mutter hasst. Genauer gesagt, meine Mutter würde unter diesen Voraussetzungen das Haus nicht verlassen. Das fängt schon mit der Linie an: EL-AL. Den Gehauf der EL-AL muss man mal mitgemacht haben, dann weiss man, was noch alles kommen wird im Rahmen es Geschwalles vom weltweiten Terrors. Immerhin sind die Israelis beim Befummeln nicht von der unfreundlichen Sorte, die man bei den deutschen Behörden erwarten kann, wenn der Schäuble sich durchsetzt.

Man kann fragen, ob das nicht was mit der den Israelis irgendwie nicht ganz fremden, allgemeinen Neigung zum Anfassen geschuldet ist. Manche nennen es Offenheit, für andere ist es eher gewöhnungsbedürftig. Zwischen Zypern und Libanon geht es dann auch im Flugzeug etwas oriantalisch zu. Meine Mama wäre von dem vergleichsweise unsauberen Flugzeug wenig begeistert gewesen. Und noch weniger von der sportlichen Landung.

Im Flughafen sind Ausgänge zu und Wege nicht ausgeschildert, und die Idee, den Bus zu nehmen, erweist sich als Erinnerung an die Zustände an den Pariser Flughäfen - da muss man auch erst mal umsteigen. Was in Frankreich einfacher ist als in Israel, wo man praktisch keine sinnvolle Auskunft bekommt. Trotzdem stand ich dann letztlich genauso schnell wie die anderen Fluggäste unten am Zug Richtung Tel Aviv. Wer - wie meine Mutter - deutsche Züge für schmutzig hält, kann in Israel noch was lernen.

Drinnen sieht es auch nicht recht viel besser aus. Und dann war da nich das Problem, dass ich gerne losfahre, ohne etwas zu buchen - irgendwas findet sich schon. Also auf Verdacht Richtung Jaffa, was in Tel Aviv gewissermassen “the place to be” ist: Alt, mit Geschichte, ein Flohmarkt, ein lässig aussehendes Hotel mit ungewöhnlicher Einrichtung im Stil der Einwanderer der 20er Jahre, und einem Transfer mit einem Taxifahrer, der klar macht, dass der normale Weg meiner Eltern, einfach einen Wagen zu mieten, hier nicht klug wäre: Mit dem Handy am Ohr und überhöhter Geschwinidigkeit über rote Ampeln zeigt er, was hier so auf den Strassen los ist.

Israel kombiniert orientalischen Fahrstil mit modernen europäischen Motoren, und ist deshalb brandgefährlich. Man muss sich weitaus mehr Sorgen wegen der Irren hinter dem Steuer als wegen der Irren der Hamas machen. Kurz: Unzumutbare Reisebedingungen für Leute, die vorher wissen wollen, wie die Reise nachher gewesen sein wird. Jedenfalls bin ich jetzt da. Und alles passt. Das Hotel ist nicht perfekt, aber es hat kostenloses WLAN, und draussen liegt die Temperatur immer noch über 10 Grad.
12. February 2007 um 21:56
Bei uns kältewellt sich es sich gerade bei durchschnittlich fünf Grad unter Null. Gestern Nacht zum Beispiel. Oder die Nacht davor, wo ich bis in den frühen Morgen mehr oder minder beknallte Produkteideen entwerfe, immerhin lachend. Der beradelte Weg heimwärts erweist sich vor allem als: kalt.
Wenn dann mal wieder eine kurze “Warmwetterperiode” kommt, so hat man hier sogar bis zu fünf über Null, begleitet von dauerhaften Nieselregen, welcher einen daran erinnert, dass es irgendwo da unten ein wärmeres - und vielleicht auch angenehmeres Land geben könnte.
12. February 2007 um 22:04
Heute Abend kamen vom Meer Wolken, wir haben hier - Moment ich muss mal aufstehen - 14 Grad. Jetzt. Hier.
Bei “uns” nennt man Leute wie mich übrigens “Winterfrustzionisten”.
15. February 2007 um 11:40
Ich finde es schon wahsinnig mutig von dir, überhaupt einfach mal in so ein Lnad zu reisen. Ich persoenlich würde nie auf die Idee kommen nach Israel zu reisen- für mich einfach zu gefaehrlich!!!!
Meine Hochachtung.
Liebe Grüsse Nicole
16. February 2007 um 23:51
Naja, sooo viel Respekt vor dem israelischen Autoverkehr hätte ich dann doch nicht. Hey, ein Abend auf der Reeperbahn ist gefährlicher als eine ganze Reise nach Israel. Echt jezz.