Archiv für April 2007

Die geile Signorina Italia.

donalphonso

Das da oben, das ist sie. Eine nicht allzu dürre Frau mit geschwungenen Körperformen, laut, manchmal etwas vulgär und immer, immer hungrig. Und immer verschwenderisch mit ihren Gaben, die sie dem Liebenden vor die Füsse kippen lässt, und sagt: Iss! Nimm! Und lass nichts stehen, piccolo Ebreo! Und nachher besorge es mir gut, mein Lieber, oder ich suche mir einen Anderen! Aber glaube mir, ich lasse Dich nicht einfach gehen - behandelst Du mich schlecht, werde ich Dir das heisse Bügeleisen an Deinen Teutonenschädel werfen und Dir Namen geben, für die es im Deutschen keine Übersetzung gibt, Cretino mio, Stronzo tedesco, andate via!

Ich werde nie verstehen, wie man Italien als Urlaubsland belächeln kann. An keinem anderen Ort der Welt gibt es eine derartige Kombination von Naturschönheit und uns alle prägende Kultur. Und all das diekt vor unserer Haustür. Vom Land der Oliven, wo ich dies gerade schreibe, zum Land des Risotto, wo ich dies alles im Internet aufgebe, ist es nur eine grandiose Autofahrt entlang an einem See. Würde ich weiter fahren, käme ich in die Ebene, wo für Fleischfresser von der Mortadella über den Parmaschinken bis zur Salami von den ersten Hängen des Appenin alles geboten wird. Und es ist nicht nur erfundene Feinkost, wie das Zeug, das man in exotischen Ländern mangels gegenüber Europäern vertretbarer Esskultur servieren muss, es ist der Ausdruck der eigenen Kultur. Nicht umsonst kommen schon im Mittelalter die besten Exemplare der Ess- und Heilbücher aus diesem Land. All die Arabesken, die Wandgemälde eines Romano und die bacchanalischen Klänge eines Rossini bauen auf dem Überschwang, der Freude, dem Leben auf.

Schaut, es ist so: Ich habe eine Geliebte - nicht wirklich. Es gibt da eine Frau. Sie ist klein, dunkel, hat das schönste Lachen der Welt und einen knackigen, kugeligen Körper. Sie ist untreu, zickig, laut, sie kann sich danebenbenehmen, dass das ganze Lokal herschaut und mit ein paar Zwinkern Männer zu willenlosen Sklaven verwandeln. Diese momentan Nichtgeliebte jedenfalls kann ich fünfmal anmailen, ohne dass sie reagiert. Ich kann ihr Essen versprechen, meine Anwesenheit, und dass ich nichts versuchen werde, was ihr nicht passt - sie ignoriert es. Sie lässt mich zappeln. Aber dann gibt es doch wieder Tage, an denen wir uns treffen, und sie schon vorher klar sagt: Bis um Mitternacht, und danach gehst Du allein heim. Das, oder gar nichts. Dann gehen wir aus, sie trinkt wie ein Loch und tanzt wie der Teufel, alle Männer beneiden mich und fragen sich, wie man diese Prachtfrau bezwingen kann, aber ich weiss, sie wird mir die Tür weisen -

Und dann bringe ich sie nach Hause, sie sperrt die Tür auf, ich streichle ihren Nacken, es drängt uns in den dunklen Hofeingang, und bevor wir auch nur den Aufzug erreichen, habe ich mehr blaue Flecke als nach einer Prügelei mit der Jungen Union Böhmfeld, ich kenne ihr Gebiss besser als jeder Zahnarzt, und sie drückt ihr Knie zwischen meine Beine, bis mir die Luft wegbleibt, die Stahlwand des Aufzugs hat mehr als eine Beule wegen dem, was wir darin tun, und hinter der Wohnungstür steht leider nicht das Bett, aber wenn das Parkett auch voller Schlangen wäre, es wäre jetzt, in diesem Moment, egal.

Und wenn wir dann in den Hausgang drängen, der Augenblick, da ich ihe Lippen koste und sie ihren Körper an meinen Unterleib drückt, dieses Wissen, diese Ahnung ob dessen, was da kommt - das ist Italien. Ich kann Monate und Jahre nicht hier sein, aber wenn ich dann komme, ist es immer diese Erfahrung, die mich die Erinnerung an das lehrt, was ich nie werde ganz vergessen können. Egal, wann ich komme, egal wie lang ich hier bin - es ist Sex.

So einfach ist das mit diesem Prachtweib, dieser geilen Italia, eigentlich.

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