Rituale
donalphonsoFortfahren beginnt meistens am Vortag mit der Erkenntnis: Ich habe nichts anzuziehen. Koketterie zumeist, oft Angriff auf das Portmonnaie desjenigen, der zahlen muss, schiere Notwendigkeit jedoch in diesem Fall. Denn klimatisch werden die kommenden Tage ein Wechselbad, beginnend mit herbstlicher Kühle hier, Schnee auf den Pässen und Spätsommer in Italien. Und das alles, wenn möglich, im offenen Wagen. Nachdem es zur Familientradition gehört, für alle Eventualitäten gerüstet zu sein und somit einen stets befürchteten, faktisch dank der robusten familiären Natur aber nie erlebten Heimtransport im Sanka zu entgehen, wird noch schnell einiges erworben, was im Kleiderschrank fehlt.

Eine leichte Lederjacke mit hohem Kragen, zum Beispiel. Im Frühjahr erwies sich das Gegenteil - schwer und Jacketkragen als stylisch, aber nicht wirklich als sinnvoll, was sich bei der Heimfahrt wegen der Fehlstelle im sensiblen Halsbereich dann in veritablem Husten äusserte. Zudem ein braungrünes Jacket aus derbem Stoff - ich habe meinem Begleiter gedroht, ihn mindestens auf einen Berg hoch und wieder runter zu treiben, und das kann man schlecht im Zweireiher machen. Passende Wanderersocken ersetzen die langwierige Suche im Wäscheschrank, und Hemden kann man bekanntlich immer brauchen.
Die UMTS-Karte ist geliehen. Nach dem Debakel des letzten Urlaubs, bei dem am Ende die einzige öffentliche Internetverbindung in 40 Kilometer Umkreis hops ging, möchte ich nicht nochmal erleben. Deshalb werden wir gleich nach dem Brenner anhalten und uns eine passende Sim-Karte mit 1 GB Transfervolumen kaufen. Dann wird das schon. Irgendwie. Hoffentlich.
Gebucht? Nein, natürlich nicht. Wo kämen wir denn da hin. Ohne Risiko kein Abenteuer.