Was für hinten drauf - Samsonite Streamlite
donalphonsoIch habe einen wirklich schönen und edlen Pullman-Koffer einer amerikanischen Luxusmarke mit Patina, Beltingleder und klugem Innenleben. Er macht auf dem Heckträger und im Hotel eine gute Figur, es ist der Koffer, den ich immer wollte - aber genau das ist auch das Problem. Denn wer will so ein Stück bei Reisen, die nicht immer in klimatisch begünstigte Regionen führen, auf dem Gepäckträger, den Elementen ausgesetzt, ruinieren? Ein paar Regenschauer sind kein Problem, aber lange Fahrten durch Unwetter würden ihm nicht gut tun. Er ist dafür nicht gemacht. Und deshalb konnte ich gestern auf dem Antikmarkt nicht Nein sagen, als ich einen originalen Streamlite von Samsonite fand.

Um es deutlich zu sagen: Samsonite, wie es aktuell ist, ist leider typisch für die USA: Hässlich, zurückgeblieben, übergross und trotzdem immer billig wirkend. Streamlites dagegen stammen aus der goldenene Zeit der USA, auf den Markt gekommen nach dem 2. Weltkrieg und bis 1955 die meistverkaufte Gepäckserie aller Zeiten. Entworfen im damals beliebten Streamlinedesign, rational gefertigt und nicht im mindesten so billig wirkend, wie die Ausgangsmaterialien sind. Samsonite hat aus Blech, Gummi, Holzplatten und Kunstlederüberzug einen Reisebegleiter gebaut, der am Übergang vom Zeitalter des Automobils zum Jet Age eine Ikone der amerikanischen Fortbewegungskultur wurde, ein Gruss aus einer Zeit, als die Zukunft frei von allen Problemen und die Geschwindigkeit immer zu wachsen schien.
