Archiv für das Themengebiet 'Italien April 07'

2211 Meter über Null: Über das Penserjoch

donalphonso

Grob gesagt kann einem sowas die Freude am Fahren und Erzählen nehmen. Was in Israel das nervige Sicherheitspersonal war, war hier ein Depp aus Österreich, ein schlechter Beigeschmack zum Abschied, etwas, das wie Österreicher an sich kein Mensch wirklich braucht.

Und dann war die Fahrt vom Gardasee über 4 Pässe zurück nach Deutschland auch noch eine Fahrt vom Hochsommer in den wegen Heuschnupfen zwar erhofften, aber dennoch nicht schönen Regen, mit Zwischenstops im März und Dezember. Wonach es bei den letzten Kilometern am See erst nicht aussah.

Am Monte Bondone, 30 Kilometer hinter Riva war es immer noch Sommer. Ideales Wetter für diese erste Bergstrecke, die hinunter nach Trient zweispurig ist. Zwei Spuren zum Rauffahren, zwei Spuren zum Runterfahren. Lastwagen, belgische Caravans, Düsseldorfer Opel, alles keine Hindernisse mehr. Und viel Platz, um Kurven richtig auf Ideallinie zu fahren. So sollte es eigentlich immer sein.

Die ganze Strecke rauf bis nach Bozen: Freie Strassen und Sonne. Und nachdem ich früh losgekommen war, hatte ich auch Zeit zu vertrödeln. Und weil die Sonne schien und die Hochalpen bei Fernsicht wie bei der Hinfahrt grandios sind, beschloss ich, über das Sarntal zum Penserjoch zu fahren. Die kürzeste, aber auch steilste Strecke zwischen Bozen und Sterzing, an deren Beginn Schloss Runkelstein zum Rasten einlädt.

Was man auch tun sollte, wenn man etwas müde ist. Denn die erste Sektion rauf ins Hochtal hat es in sich. Normalerweise hat man nach Kurven ein paar Momente Entspannung. Hier ist es anders. Nach jeder Kurve muss man sofort in einen engen Tunnel einfädeln. Die werden weiter oben dann besser, aber die ersten 20 Stück sind alt und erinnern an die Szene aus Indiana Jones III, als Sohn und Papa von Jagsflugzeugen verfolgt in einen Tunnel rasen. Man kann da natürlich auch reinbremsen, aber flüssig durchfahren ist anstrengend für alle Sinne.

So macht man rund 500 Höhenmeter bis zum eigentlichen Sarntal. Dort bleibt die Strasse schlecht, aber es ist erst mal nicht mehr besonders kurvig. In dieser Höhe ist dann allenfalls gefühlter März: Es wird kalt, alles steht in früher Blüte - und der Himmel hat sich verdunkelt. In der Ferne liegt Schnee, und am Fusse dieses Berges führt die Strasse dann auch entlang.

Auf 1500 Meter kommen die ersten grösseren Schneefelder, und nebenbei regnet es auch noch. Zwei Wochen war das Handschihfach vollgestopft mit schweren Lederhandschuhen, und die bekommen jetzt ihre Berechtigung. Es ist wirklich kalt hier oben. Kalt und neblig. Die satten Farben des Tales sind längst verschwunden.

Über langgezogene Kurven geht es weiter in die Wolken, die erkennbar nicht enden wollen. Fahrerisch ist die Strecke ein Klacks gegenüber den Pässen am Gardasee, die Strasse ist fast völlig leer, aber die Gegend und das Klima sind zusammengenommen nicht wirklich reizvoll.

2000 Meter. In der Entfernung, in der Mitte, ist eine kleine Erhebung: Das Passhaus. Dort geht es an der Hügelflanke entlang hin. Und es regnet. Nicht so stark, dass ich das Verdeck schliessen müsste, mit Tempo 50 aufwärts bleiben die Tropfen an der Windschutzscheibe. Aber Fernsicht ist nicht zu erwarten.

Oben schneit es. Richtig. Kein Regen mehr, Schnee. Und es ist bitter kalt, so um die null Grad. 2000 Meter über Bozen gibt es keinen Sommer mehr, hier ist Dezember in seiner übelsten Form. Und dennoch hat sich die Barchetta in diese für italienische Autos feindliche Klima klaglos hochgekämpft.Immer genug Grip in den Kurven, immer genug Kraft zunm rausbeschleunigen. So kann man auch dieser Strecke an diesem Tag etwas abgewinnen.

Selbst, wenn es definitiv in die falsche Richtung geht. Da unten führt die Strasse hinunter, weiter links kommt dann Sterzing, das im Regen sein wird, dann der Brenner im Regen, dann Innsbruck im Regen, sowie der Arlberg im Regen, und auch München wird gar nicht italienisch, sondern grau in grau sein. Aber hey.

Nächste Woche ist die Mille Miglia. Nächste Woche fahre ich wieder runter in das Gold, in das Licht, in die Farben.

Hier endet die Italienreise vom April 2007. Und wenn ich gepackt habe, beginnt die Italienreise Mai 2007.

Der Mai, der See und die Allergie

donalphonso

Ursache und Wirkung

donalphonso

Über Geschwindigkeit

donalphonso

Nicht Geschäftliches in Mantua.

donalphonso

12 feine Balkone.

donalphonso

Und jetzt

donalphonso

Der beste Parkplatz in Mantua.

donalphonso

Die verlorene Pracht des Mittelalters.

donalphonso